„Pampa Blues“ 2.10.2015

2. Oktober 2015
20:15

„Pampa Blues“ am Freitag, 2.10.2015, um 20:15 Uhr im Ersten

Spielfilm
Produziert: Deutschland, 2015

Irgendwo im Nirgendwo lebt der 16-jährige Ben und würde gern was erleben, vorzugsweise weit weg in Afrika. Aber was wäre dann mit Karl, seinem dementen Großvater, um den Ben sich kümmert?

Karl im Stich zulassen, kommt natürlich nicht in Frage, und so sitzt Ben in seinem verlassenen Kaff fest, macht vorgeblich eine Gärtnerlehre und widmet sich eigentlich der Schrauberei in der heruntergekommenen KFZ-Werkstatt des väterlichen Freundes Maslow. Der ist der Einzige in dem verschlafenen Dorf, der seine Vision von einer Wiederbelebung trotz etlicher Fehlversuche noch nicht aufgegeben hat. Sein neuester Super-Plan: Die Nachricht von einem Ufo soll die Presse und dann die Touristen anlocken.

Maslow sorgt dafür, dass ein Ufo gesichtet wird. Und tatsächlich kommt die junge Lena in den Ort. Maslow hält sie wegen ihrer Kamera prompt für eine Journalistin und Ben verliebt sich in sie. Zwar stellt sich heraus, dass Lena gar keine Journalistin ist und Verliebtsein Ben auch nicht weiterhilft, trotzdem hat Maslow am Ende seine Schlagzeilen und Ben endlich ein paar richtig gute Gründe, doch noch eine Weile zu bleiben.

Noch ländlicher als Endlingen, wo der 16-jährige Ben mit seinem Großvater lebt, geht es kaum. Endlingen ist ein echtes Kaff und jeder, den es dorthin verschlagen hat, kann erkennen, dass der Ort keine große Zukunft hat. Ben jedenfalls will so bald wie möglich weg, am liebsten wie sein verstorbener Vater nach Afrika. Wenn es denn je dazu kommt. Denn zurzeit ist Ben für das Wohlergehen seines Großvaters verantwortlich. Karl ist dement, spricht wenig, vergisst viel und Ben muss dafür sorgen, dass er sicher durch den Tag kommt. Zumindest solange die Mutter mit ihrer Band auf Tournee ist – und das ist sie praktisch immer. Der Stillstand in Endlingen und der Stillstand in Bens Leben greifen ineinander.

Einer allerdings stemmt sich vehement gegen den Endlinger Niedergang. Dem ehemaligen Golftprofi Maslow ist die Belebung des württembergischen Örtchens eine Herzensangelegenheit. Er betreibt die Autowerkstatt, die Kneipe, subventioniert dort die Bauern Horst, Kurt und Willi und entwickelt parallel jede Menge Ideen für den Aufschwung. Zugegebenermaßen haben die bisher noch nicht durchschlagend funktioniert. Aber Maslow gibt nicht auf. Mit unerschütterlichem Optimismus setzt er gerade wieder einen neuen Plan in die Tat um, für den er auch Bens Unterstützung braucht. Endlingen soll das neue Roswell werden, dafür soll ein Ufo sorgen, das Maslow ausgewählten Endlingern am Himmel erscheinen lässt. Zu schlau dürfen die nicht sein, sonst kommen sie vielleicht drauf, dass es sich nur um ein Modell handelt, das nachts von einem Ballon durch den Himmel über Endlingen gezogen wird. Bei Kurt und Willi hat es schon mal funktioniert. Sobald die Presse von der Endlinger Erscheinung hört, so der Plan, wird das Kaff zum Sensationsthema und bald zur Touristenattraktion.

Eigentlich hält Ben Maslows Plan für bescheuert. Aber als Lena auftaucht, weil ihr liegengebliebenes Auto repariert werden muss, lässt er sich doch reinziehen. Maslow ist überzeugt, dass Lena eine heimlich recherchierende Journalistin ist, und plant schon den Auftritt des Ufos. Ben soll sich mit ihr anfreunden und dafür sorgen, dass Lena die Sensation auch sieht. Dass Ben nicht an die Journalistentheorie glaubt, hindert ihn nicht daran, sich in hübsche, selbstsichere und zugewandte junge Frau zu verlieben. Er lässt sie in seine Welt blicken, in sein Leben mit Karl im sonnendurchfluteten Endlinger Sommer und mit den Dorfdramen um Friseurin Anna, ihren Mann Georgi und den stillen Jojo. Dass Lena mit ihm flirtet, bringt Bewegung in Bens Leben, verunsichert ihn aber auch. Und während ausgerechnet Jojo Endlingen quasi aus Versehen in die Medien bringt, sieht es für Ben so aus, als könne er Lena nur gewinnen, wenn er Karl los wird.

Hintergrundinfo:

Mit liebevoller Lakonie erzählt „Pampa Blues“ von dem Zweispalt des jungen Ben zwischen Verantwortung für den Großvater und der Sehnsucht nach Ausbruch.

Die Hauptrollen spielen Sven Gielnik, Joachim Król, Paula Beer und Klaus A. Müller-Oi. Kai Wessel inszenierte nach einem Drehbuch von Rolf Lappert und für die betörend atmosphärischen Bilder sorgte Kameramann Hagen Bogdanski.

Der Schweizer Autor Rolf Lappert schrieb das Drehbuch zu „Pampa Blues“ auf der Basis seines 2012 erschienen, mehrfach ausgezeichneten Romans gleichen Titels, einer Coming-of-age-Geschichte nicht nur für Jugendliche. In der Regie von Kai Wessel wurde daraus ein atmosphärischer Film über den Konflikt zwischen Verantwortung und Freiheitsdrang, der von trockenem Humor, einem gelassenen schwingenden Rhythmus und liebevoller Geduld für die Macken der Figuren geprägt ist.

Besetzung:

Ben Sven Gielnik
Maslow Joachim Król
Lena Paula Beer
Karl Klaus A. Müller-Oi
Jojo Adam Markiewicz
Kurt Bernd Tauber
Willi Olaf A. Krätke
Bauer Horst Christof Wackernagel
Anna Bulatov Malina Ebert
Frau Wernicke Franziska Traub
Georgi Bulatov Dimitri Bilov
Beamter Christian Koerner
Mann am Empfang Georg Alfred Wittner
Empfangsdame Seniorenheim Judith Zykan

Regie:
Kai Wessel
Drehbuch:
Rolf Lappert
Musik:
Ralf Wienrich, Titus Wolfe
Kamera:
Hagen Bogdanski
Redaktion:
Friederike Barth (SWR), Manfred Hattendorf (SWR), Stefan Kruppa (ARD Degeto)

„Pampa Blues“ am Freitag, 2.10.2015, um 20:15 Uhr im Ersten

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