Unterallgäuer Kreis-Seniorenwohnheime: Pflegekräfte fehlen, Kosten steigen

14.2.2022 Landkreis Unterallgäu. Pflegekräftemangel, inflationsbedingte Sachkostensteigerungen, Tariferhöhungen und überdurchschnittlich hohe Energiepreise: All das macht auch den drei Seniorenwohnheimen des Landkreises zu schaffen.

Bei der Vorstellung der diesjährigen Wirtschaftspläne im Ausschuss für Personal und Soziales ging Sachgebietsleiter Ara Gharakhanian zwar davon aus, dass die Einrichtungen dieses Jahr wieder ein Plus erwirtschaften. Allerdings reichen die kalkulierten Überschüsse nach seinen Worten nicht aus, um notwendige Investitionen bezahlen zu können. Im Gegenteil: Die Reserven für solche Maßnahmen werden 2022 aller Voraussicht nach weiter abschmelzen.

Der Landkreis betreibt die drei Seniorenwohnheime Am Anger in Bad Wörishofen, St. Andreas in Babenhausen und St. Martin in Türkheim. Da Pflegekräfte fehlen, können die Häuser in Türkheim und Babenhausen dieses Jahr erneut nicht vollbelegt werden, informierte Gharakhanian, Leiter des Sachgebiets Senioreneinrichtungen am Landratsamt. Werden die Heime nicht voll ausgelastet, fehlen Beiträge, um Fixkosten decken zu können.

Am deutlichsten bemerkbar macht sich der Fachkräftemangel in Kreis-Seniorenwohnheim in Türkheim. Hier könnten in diesem Jahr voraussichtlich nur 91 Prozent der Betten belegt werden, so der Sachgebietsleiter. Damit fehlen dem Heim 700.000 Euro, die mit einer Vollbelegung erwirtschaftet werden könnten.

Landrat Alex Eder hoffte, dass die einrichtungsbezogene Impfpflicht – sollte diese umgesetzt werden – die Situation nicht noch weiter verschärft. Schon seit Jahren sei es schwierig, Pflegekräfte zu finden. „Wir kämpfen um jeden Einzelnen.“ Eder hält die Impfpflicht in Pflegeeinrichtungen deshalb für einen großen Fehler.

Während die Erträge der Heime sinken, steigen die Sach- und Personalkosten, wie Gharakhanian weiter erläuterte. Außerordentlich zugelegt hätten die Energiekosten wie zum Beispiel die Gaspreise. Hinzukommen nach seinen Worten die hohen Summen, die 2022 für Investitionen in die Gebäude und die Infrastruktur gestemmt werden müssen – zum Beispiel für die Erweiterung des Bad Wörishofer Heims von 48 auf 69 Plätze.

Trotz der Kostensteigerungen und des hohen Investitionsvolumens rechnet Gharakhanian damit, dass die drei Heime heuer ein positives Jahresergebnis in Höhe von 98.000 Euro erwirtschaften. Man benötige auch keine Haushaltsmittel des Landkreises. Allerdings würden den Einrichtungen nicht ausreichend liquide Mittel zur Finanzierung anstehender, notwendiger Investitionen wie zum Beispiel der Sanierung des Ostflügels des Türkheimer Heims zur Verfügung stehen. Um solche Maßnahmen bezahlen zu können, müssten die Heime weiterhin positive Jahresergebnisse erzielen, um die Liquidität zu verbessern. Zum Hintergrund: Die Kreis-Seniorenwohnheime haben über viele Jahre hinweg große Defizite verzeichnet und erst 2017 begonnen, schwarze Zahlen zu schreiben.

„Die Liquiditätssituation in den Seniorenheimen ist ein Grund zur Sorge“, merkte auch Kämmerer Sebastian Seefried an. „Sogar wenn alles planmäßig verläuft, werden wir in zwei von drei Heimen am Ende des Jahres weniger Geld in der Tasche haben als jetzt.“ Bereits zum jetzigen Zeitpunkt klar ist laut Gharakhanian auch, dass die im vergangenen November angehobenen Pflegesätze nicht ausreichen, um die tatsächlichen Kostensteigerungen aufzufangen.

Thema in der Sitzung waren auch die Personalkosten des Landkreises. Diese wurden von Personalleiterin Ingrid Arnold vorgestellt. Die Personalkosten steigen 2022 voraussichtlich um 1,9 Millionen Euro (8,6 Prozent) auf 23,76 Millionen Euro. Grund für die aktuelle Steigerung ist unter anderem der diesjährige Zensus.

Für die Volkszählung fallen laut Haushaltsentwurf Kosten in Höhe von 377.000 Euro an. Zu höheren Kosten führen aber auch tarifliche Entgeltsteigerungen sowie zusätzlich erforderliches Personal, zum Beispiel im Jugendamt. Trotz der Erhöhung dürfte sich der Trend fortsetzen: im Jahr 2020 lagen die Personalkosten pro Einwohner 19 Prozent unter dem Landesdurchschnitt und 14 Prozent unter dem Durchschnitt im Bezirk Schwaben.

Der Ausschuss für Personal und Soziales stimmte den Haushaltsansätzen in den Bereichen Personal und Kreis-Seniorenwohnheime einstimmig zu und empfahl dem Kreistag, die Mittel zur Verfügung zu stellen.

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