Mein Freund, der Stadtbaum – Lindauer Kampagne stellt Bedeutung für das Klima heraus

2.10.2020 Lindau (Bodensee). Sie sind wahre Verwandlungskünstler: Stadtbäume sind Staubsauger und Wohngemeinschaft, Klimaanlagen und Sauerstoffspender. Die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei und Lindaus Klimamanagerin Danielle Eichler wissen, welchen Schatz sie hüten. Damit dies auch einer breiteren Öffentlichkeit bewusster wird, starten Lindau, die Städte der Bodenseeregion und die 2000-Watt-Gesellschaft jetzt eine Kampagne.

Ungefähr 25.000 Bäume gibt es auf dem Gebiet der Stadt Lindau nach einer Schätzung des ehemaligen Leiters der Stadtgärtnerei, Meinrad Gfall. Statistisch gesehen hat also jede Lindauerinnen und jeder Lindauer einen eigenen Stadtbaum.

„Das ist ein Schatz“, sagt Jan Wragge, aktueller Leiter der Stadtgärtnerei. Ein Schatz, um den es sich zu kümmern gilt. Denn die Stadtbäume sind nicht nur optisch eine Augenweide, sondern auch wichtige Faktoren für eine lebenswerte Stadt.

„Genau dies soll unsere gemeinsame Kampagne klarmachen“, sagt Lindaus Klimaschutzmanagerin Danielle Eichler. „Stadtklima – Stadtbäume in Lindau (B)“ heißt die Aktion, die vom 1. Oktober bis zum 31. Oktober dauern soll.

An insgesamt zehn Stellen im Stadtgebiet sind Plakate angebracht, die Wissenswertes zum Thema Stadtbäume erzählen. Dabei ist augenfällig, dass sie auf Baumstümpfen angebracht sind. Die Bäume wurden aber nicht extra dafür gefällt, sondern sie stammen von Platanen, die am Aeschacher Ufer aus baumpflegerischen Gründen gefällt werden mussten.

Dies ist auch ein versteckter Hinweis auf die nachhaltige Wirkung von Bäumen. Nach ihrem Ableben können sie als Baustoff Verwendung finden, sie sind Heizmaterial und Lebensspender, und immer wieder bleiben Bäume auch als Ökotorso stehen und geben beispielsweise Insekten und Vögeln eine Heimat.

„Das Klima ändert sich – nicht nur global, sondern auch in unseren Städten. Neben dem Klimaschutz wird die Anpassung an den Klimawandel darum immer wichtiger. Stadtbäume sind für uns dabei starke Verbündete: Sie sorgen für Kühlung und saubere Luft, sie speichern Feuchtigkeit, spenden Schatten, verbessern das Stadtklima und damit unsere Lebensqualität“, fügt Eichler ihren Ausführungen hinzu – es gilt also: Mein Freund, der Stadtbaum.

Doch dieser ist auch immer wieder gefährdet, wie Wragge und Markus Steinbeißer, Mitarbeiter der GTL und Baumpfleger, erklären. Denn Lindaus Baumbestand ist überaltert. Trockenheit und Wind, Umweltbelastungen und auch immer mehr Freizeitdruck auf die Grünanlagen setzen neben dem Klimawandel den alten Bäumen zu.

Dazu kommt, dass Stadtbäume oft in zu kleinen Baumquartieren gepflanzt wurden. Das heißt, sie hatten nicht genug Platz zu wachsen und gedeihen. „Wir kämpfen um jeden Baum“, sagt Steinbeißer. Oft ist es allerdings so, dass ein Baum zwar im unteren Bereich noch gesund erscheint, doch weiter oben morsch oder krank ist.

Dann kommt es drauf an, wo er steht. „Aber an Fußwegen oder in Parks müssen wir diese Bäume fällen, damit sie nicht Menschen gefährden“, sagt Wragge. Allerdings werde jeder Baum durch eine Neupflanzung ersetzt. Wobei die Zahl der Neupflanzungen höher liege, als jene der Fällungen.

„Jeder alte Baum, der fällt, tut uns weh“, sagt Steinbeißer. Und sein Chef Wragge zeigt ein Beispiel: eine mehr als 200 Jahre alte amerikanische Roteiche auf dem Gelände der Stadtgärtnerei. „Sie war der älteste Baum auf unserem Gelände“, erklärt er. Über Jahre wurde um ihr Überleben gekämpft.

„Gerade als wir wieder überlegten, wie sie noch zu retten ist, fiel sie an einem windstillen Tag einfach um“, erinnert sich Wragge und setzt hinzu: „Ich bin froh, dass nichts passiert ist.“

Deshalb werfen die Stadtgärtner immer wieder kritisch Blicke auf die Stadtbäume. Sie wollen sie so lange erhalten, wie möglich. Denn Stadtbäume sind echte Freunde der Menschen.

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