Im Unterallgäu wird es vorerst keinen Pflegestützpunkt geben

2.10.2020 Landkreis Unterallgäu. Wird ein Mensch zum Pflegefall, sind die Angehörigen mit vielen Fragen konfrontiert. Hilfe finden diese im Unterallgäu vor allem bei den drei Fachstellen für pflegende Angehörige sowie bei der Pflegeberatung der Pflegekassen.

Darüber hinaus beraten und vermitteln aber auch Wohlfahrtsverbände, Kommunen, Hilfsorganisationen und die Seniorenfachstelle im Landratsamt. „Wir sind gut aufgestellt“, sagte Selin Overbeck, Abteilungsleiterin am Landratsamt, im Ausschuss für Personal und Soziales des Unterallgäuer Kreistags.

Das sahen auch die Ausschussmitglieder so und sprachen sich deshalb einstimmig dafür aus, vorerst keinen sogenannten Pflegestützpunkt zu beantragen.

Einig war sich der Ausschuss auch bei einem anderen Thema: Um mehr alternative Wohnangebote für Senioren zu schaffen, soll der Landkreis ambulant betreute Wohngemeinschaften weiterhin fördern.

Seit dem Jahr 2009 können in Bayern sogenannte Pflegestützpunkte eingerichtet werden. Diese beraten bei Fragen rund um die Pflege und koordinieren Hilfsangebote.

Neu ist laut Overbeck seit 2019, dass es eine einmalige staatliche Anschubfinanzierung gibt. Die Idee, die Beratung bei der Pflege zu verbessern, sei sehr gut, sagte die Juristin. Allerdings sei das Unterallgäu mit den drei Fachstellen für pflegende Angehörige in Bad Wörishofen, Ottobeuren und Memmingen, für die es ebenfalls eine staatliche Förderung gibt, gut ausgestattet.

„Eigentlich könnte man sagen, wir haben schon drei kleine Pflegestützpunkte.“ Aus diesem Grund riet sie dazu, abzuwarten, wie sich die Einrichtung von Pflegestützpunkten in Schwaben entwickelt. Auch Landrat Alex Eder war der Meinung, dass es nicht sinnvoll sei, Doppelstrukturen zu schaffen.

In Bayern gibt es aktuell neun Pflegestützpunkte – darunter bislang keinen in Schwaben. In Memmingen ist eine Beantragung jedoch im Gespräch.

Wer pflegebedürftig ist, aber nicht in ein Seniorenheim ziehen möchte, fühlt sich unter Umständen in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft wohl. „Ambulant vor stationär“ sei auch ein Grundsatz des Unterallgäuer Seniorenkonzepts, sagte Overbeck, die zusammen mit Konzept-Koordinator Hubert Plepla über das Thema informierte. Deshalb schlug sie vor, die Einrichtung von Wohngemeinschaften weiterhin mit jeweils 10.000 Euro zu fördern.

Den Zuschuss gibt es seit 2013. Seitdem sind nach den Worten der Abteilungsleiterin insgesamt vier WGs für Senioren in Erkheim, Memmingerberg, Woringen und Bad Wörishofen sowie zwei WGs für Intensivpflege in Erkheim und Niederrieden entstanden. Inzwischen ist die Förderung jedoch ausgelaufen.

Mit der Wiederaufnahme kommt nun auch eine WG in Salgen in den Genuss des Zuschusses. Dort wurde der ehemalige Gasthof Zum Löwen zu einer barrierefreien Wohngemeinschaft für elf Personen umgebaut. Die WG steht laut Overbeck kurz vor der Eröffnung und wird eine Versorgungslücke im östlichen Landkreis schließen. Daneben habe auch die „Seniorenzentrum und Ambulante Krankenpflege Babenhausen GmbH“ Interesse an der Einrichtung einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft für demente Menschen.

Thema in der Sitzung waren auch die drei Seniorenwohnheime des Landkreises in Bad Wörishofen, Babenhausen und Türkheim. Der Leiter der Heime, Ara Gharakhanian, gab die Ergebnisse der Pflegesatzverhandlungen bekannt. Zuvor hatte Kämmerer Sebastian Seefried erläutert, wie die stationäre Altenpflege finanziert wird und erklärt, dass der Landkreis die Pflegesätze nicht unterhalb der Verhandlungsergebnisse ansetzen dürfe.

Die Verhandlungen mit den Pflegekassen und dem Bezirk Schwaben haben Gharakhanian zufolge ergeben, dass die durchschnittliche Pflegevergütung ab November im Kreis-Seniorenwohnheim St. Andreas in Babenhausen um acht Prozent, im Heim Am Anger in Bad Wörishofen um sechs Prozent und im Heim St. Martin in Türkheim ebenfalls um sechs Prozent erhöht werden muss.

Die Erhöhung sei notwendig, um ein längerfristiges Minus auszugleichen. Denn mit den bisherigen Pflegesätzen hätten die gestiegenen Personalkosten nicht gedeckt werden können. Die Pflegesätze müssten aber eine wirtschaftliche Betriebsführung ermöglichen.

Landrat Eder sagte, dass die Erhöhung nicht schön sei. „Aber es ist auch klar, dass wir unsere Pflegekräfte ordentlich bezahlen wollen.“ Der Landkreis zahle nach Tarif und setze auf ausreichend Personal. Der Ausschuss stimmte der Erhöhung zu und genehmigte zudem ein Darlehen in Höhe von 300.000 Euro für das Kreis-Seniorenwohnheim in Bad Wörishofen. Das Geld wird für die Sanierung der Tiefgarage benötigt.

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